Baldur’s Gate 3 im Test: Der Ersteindruck und wie es weitergeht

Normalerweise würdet ihr jetzt unseren Test zu Baldur’s Gate 3 lesen und ich würde darin vorschwärmen, wie toll, vielfältig, abwechslungsreich, bis zum letzten Würfel spannend und gut geschrieben dieses Fantasy-Epos in all seinen Facetten ist. Kann ich aber nicht, denn die Larian Studios haben das finale Testmuster erst am Sonntagabend verschickt.

Angesichts des riesigen Umfangs des Rollenspiels, eine Spielzeit von über 100 Stunden versprechen die Entwickler, ist ein Testbericht zum Release somit vollkommen unrealistisch geworden. Selbst mit noch so viel Kaffee und anderen Aufputschmitteln wäre die Zeit viel zu kurz gewesen, um sich ein wirklich gutes Bild von den Stärken und Schwächen von Baldur’s Gate 3 machen zu können.

Baldur’s Gate 3: Ein Test mit dunklem Verlangen…
Aber auch ohne den Körper länger wach zu halten als notwendig, habe ich mich bereits schon durch die ersten Stunden von Baldur’s Gate 3 geschlagen. Vorweg: Den ersten Akt habe ich noch nicht ganz hinter mir, habe aber direkt eine Entscheidung getroffen, die ich normalerweise so nicht fällen würde: Ich habe mich im Charakter-Editor bewusst gegen einen komplett eigenen Charakter und für Dunkles Verlangen entschieden, einen von insgesamt sieben vorgeschriebenen Helden.

[GUI_600SCREENSHOT(setid=92611,id=92657471,linktext=Die Drachengeborenen sind neu in der finalen Version von Baldur’s Gate 3 – und ja, auch deren Genital kann man einstellen.)]
Im Gegensatz zu den anderen Origin-Charakteren, deren Geschlecht, Aussehen und Klasse klar definiert ist, kann beim Dunklen Verlangen vieles frei festgelegt werden, ohne dabei auf die Vorteile einer detaillierten Hintergrundgeschichte verzichten zu müssen. Das Dunkle verlangen ist ist auf gewisse Art und Weise sogar noch einmal besonders spannend, denn aus einem mir noch unbekannten Grund, hat mein Charakter hin und wieder eine wortwörtliche Mordslust. Das äußert sich, in dem eine unterbewusste Stimme mich dazu verleitet, bestimmte Dinge zu tun, wie zum Beispiel dem Magier Gale, den ich zu dem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht kenne, die Hand abzubeißen oder dass ich den sonst sehr fiesen Duft von Toten besonders ansprechend finde. Aufgrund ebenjener unbekannten Herkunft offenbaren sich nach und nach zusätzliche Optionen, die sich irgendwo zwischen herrlich morbide und verdammt düster einordnen lassen.

Diese Möglichkeiten sorgen für einen überraschenden Unterhaltungsfaktor, denn normalerweise spiele ich bei einem ersten Durchgang lieber den vermeintlich guten Helden, der niemanden etwas Böses will und einen Streit bevorzugt auf sachliche Art und Weise schlichtet. Mit dem Dunklen Verlangen kann ich das grundsätzlich weiterhin so handhaben, aber ab und an auch etwas so böses und absurdes machen, einfach weil eine Stimme tief in mir es so befiehlt. Ich könnte natürlich versuchen, mich diesem Verlangen zu widersetzen und gegen das Düstere anzukämpfen, aber sind wir ehrlich: Das wäre ja für ein Rollenspiel wie Baldur’s Gate 3 irgendwie langweilig.

Von Kampf bis Dialog
Abseits von den etwas unüblichen Mordgedanken und dem die Nasenspitze zum vibrieren bringenden Leichengeruch spielt sich Baldur’s Gate 3 genau so wie man es von einem Larian-Spiel erwartet. Die rundenbasierten Kämpfe, durchaus ein Dorn im Auge vieler Fans der ersten beiden Baldur’s Gate-Spiele, sind wie schon bei Divinity: Original Sin 2 eine große Stärke. Zugegeben: Bislang stellte mich noch kein Gefecht vor eine wirkliche Herausforderung, bei der ich sämtliche taktischen Mittel und Wege in Betracht ziehen sollte. Nichtsdestotrotz sind die Scharmützel unterhaltsam, da ich zunehmend Positionierung, die Wahl der richtigen Zauber, mögliche Umgebungsvorteile, eventuelle Gelegenheitsangriffe und so weiter bedenken sollte.

[GUI_600SCREENSHOT(setid=92611,id=92657473,linktext=Mord an Kindern? In Baldur’s Gate 3 kommt es schon früh zu brenzligen Situationen.)]
Auf dem Niveau von Divinity: Original Sin 2 ist Baldur’s Gate 3 jedoch in den ersten Spielstunden noch nicht angekommen. Das mag auch daran liegen, dass die Auswahl der Zauber und Fähigkeiten noch eingeschränkt ist und größere Schlachten noch nicht auf der Tagesordnung standen. Hier darf das Rollenspiel in den nächsten Stunden gerne weiter anziehen. 

Apropos Divinity: Original Sin 2. Wem Larians eigene Rollenspiel-Reihe in der Vergangenheit immer eine Spur zu viel Humor hatte, darf in Baldur’s Gate 3 aufatmen. Zwar leugnet das belgische Entwicklerstudio nicht ganz seine Wurzeln, aber die meisten Dialoge und Geschichten sind bislang überwiegend ernster Natur. Früh bekommen wir es beispielsweise mit einer Druidin zu tun, die nicht einmal davor zurückschreckt, Kinder zu verletzten oder diese gar zu töten, weil sie ein Ritual gestört haben. Warum sie einen solch autoritären Stil innerhalb eines Hains pflegt? Nun, das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Technik: Flüssig, aber nicht fehlerfrei
Bevor ich mich wieder in die Welt von Baldur’s Gate 3 stürze, noch ein paar erste Worte zur technischen Umsetzung, die sich allemal sehen lassen kann. Optisch ist man weit weg von „Old School Rollenspiel“, aber in Sachen Präsentation gibt es mitunter ein paar Schwachstellen. Hin und wieder wirken zum Beispiel manche Animationen in den Zwischensequenzen etwas ungelenk oder die Mundbewegung bleibt auf einmal stehen.

[GUI_600SCREENSHOT(setid=92611,id=92657472,linktext=Baldur’s Gate 3 hat wirklich viele Zwischensequenzen, die insgesamt gut präsentiert sind.)]
All das sind natürlich im Gesamtbild nur kleinere Fehler, die einem nicht umgehend den Spielspaß verderben. Darüber hinaus liefert Baldur’s Gate 3 ab: Die Performance ist bisher stabil und grobe Bugs sind mir auch noch nicht unterlaufen. Ganz selten rutschte mal ein Charakter durch eine Textur oder in Dialogen wurde der Untertitel übersprungen, aber Abstürze oder Fehler, die den Fortschritt aufhalten, konnte ich noch nicht feststellen. Bleibt zu hoffen, dass dem so bleibt.

Nervig kann jedoch die Kamera in Gebäuden sein, die über mehrere Stockwerke verfügen. Hier kommt es schon mal vor, dass man sich verklickt und aufeinmal schon in einen Raum voller Gegner läuft, obwohl man genau das vermeiden wollte. Auch kleinere Gegenstände vom Boden aufzuheben kann mitunter sehr fummelig sein. 

Wie geht es mit dem Test weiter?
So viel zu den ersten Eindrücken von der finalen Version von Baldur’s Gate 3. Ich werde mich jetzt wieder hinter dem Monitor klemmen und tief eintauchen, um noch mehr von diesem Rollenspiel in mich aufzusaugen. Wann ihr mit einem ausführlichen Testbericht rechnen könnt?

Das ist schwierig zu beantworten, da ich aktuell noch gar nicht abschätzen kann, wie viel Zeit tatsächlich ein erster Durchgang in Anspruch nimmt. Zudem ich mir die vielen Stunden des Spielspaßs nehmen möchte, um Baldur’s Gate 3 möglichst weitläufig zu entdecken. Es wird daher noch ein kleines bisschen dauern bis wir einen ausführlichen Test mitsamt Wertung online stellen, aber glaubt mir: Jede Minute, die sich derzeit anbietet, geht für das Abenteuer an der Schwertküste drauf.

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