Von Sonic Mania bis Pokémon Masters: Wenn der Soundtrack rockt, aber mich das Gameplay kalt lässt

Nach seinem Release 2017 zementierte sich Sonic Mania innerhalb kürzester Zeit als eines der beliebtesten Abenteuer des blauen Igels und auch mir hat der rasante 2D-Plattformer wirklich gefallen.

 

Naja, zumindest ein Teil davon: Der Soundtrack. Mit dem Gameplay konnte ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel anfangen, zu frustrierend war das Gefühl beim plötzlichen Tempo-Verlust, zu anstrengend die späteren Level und Bosskämpfe. Sonic Mania ist nur eins von mehreren Videospielen, bei denen mir die Musik bis heute in den Ohren bleibt, obwohl ich das Gameplay am liebsten wieder vergessen würde. Vier Spiele, ein Erfahrungsbericht.

Sonic Mania: Songs zum Speedrunnen

Der Soundtrack von Sonic Mania repräsentiert in vielerlei Hinsicht das gesamte Spiel: Eine gelungene Mischung aus alt und neu, aus traditionell und experimentell, aus klassisch und modern, die mit Leidenschaft von Fans des Ursprungsmaterials entstanden ist. Als jemand der nicht mit Sonic aufgewachsen ist, habe ich mich spielerisch aber leider durch den 2D-Titel quälen müssen: Das berauschende Gefühl bei voller Geschwindigkeit konnte den Frust, den ich angesichts von Leveln wie Hydrocity, Oil Ocean oder Titanic Monarch verspürt habe, einfach nicht ausgleichen.

Dass ich die Credits überhaupt gesehen habe, ist daher vor allem der Musik zu verdanken. Während Klassiker wie Green Hill Zone oder Chemical Plant immer noch mit ihren Retro-Melodien begeistern können, sind es vor allem die Songs der neuen Level, die Sonic Mania zu einem auditiven Spektakel machen. Lights, Camera, Action: Das Intro von Studiopolis Act 1 transportiert bereits hervorragend die wilden Beats, die das Abenteuer von Sonic, Tails und Knuckles in Szene setzen.

Press Garden sorgt mit etwas entschleunigter Soundkulisse für eine angenehme Ruhepause, ohne das hohe Gameplay-Tempo zu konterkarieren und Mirage Saloon verwebt die elektronischen Sonic-Sounds gekonnt mit dem Klangteppich eines Westerns. Nichtsdestotrotz müssen sich auch die Neuinterpretationen alter Songs nicht verstecken und klingen letztendlich alle wie aus einem Guss, sodass Sonic Mania stolz auf eine musikalische Identität schauen darf, bei der sich Respekt für die Originale und Mut zur Moderne die Klinke in die Hand geben.

Pokémon Masters EX: Ein sagenhaftes Soundtrack-Sammelbecken

Ich liebe Pokémon, ich hasse Mobile-Games mit Mikrotransaktionen: Nicht unbedingt die idealen Voraussetzungen, sich dem Gacha-Titel Pokémon Masters EX zu widmen, in dem berühmte Trainer aus den Spielen mit ihren Partnerkreaturen zusammen patente Pärchen bilden und sich in Dreierkämpfen gegenseitig eins auf den Deckel geben. Mein Ausflug in die Welt des mobilen Ablegers war dann nach den ersten Gefechten entsprechend wieder schnell vorbei: Ich bevorzuge eindeutig die strikte Rundenstrategie aus den Hauptspielen und der Glücksspielfaktor, bei dem ich für die erwähnten Pokémon-Paare echtes Geld investieren müsste, tat dann seinen Rest.

Was mich im Gegensatz zum Gameplay nicht mehr losgelassen hat, ist der Soundtrack, der in vielerlei Hinsicht als ein Best-Of des gesamten Pokémon-Franchises fungiert. Mit chirurgischer Präzision hat Komponist Shota Kageyama die Quintessenz aus den ikonischsten Songs der Reihe herausgeschnitten, in ein völlig neues Soundgewand gestülpt und dabei trotzdem die musikalischen Ursprünge beibehalten. Vor allem die Liebe zum Detail möchte ich dabei hervorheben, denn nahezu jeder Trainer hat seinen eigenen Remix erhalten – sogar, wenn sich mehrere ursprünglich denselben Song teilten.

Ein Beispiel: Die Top Vier aus Pokémon Schwarz und Weiß, bestehend aus Anissa, Astor, Kattlea und Eugen, die in ihrem ursprünglichen Ableger alle zum Einall Liga-Theme kämpfen, rocken in dem Mobile-Titel jeweils unterschiedliche Interpretationen. Die glänzen, genau wie der Rest des wirklich umfangreichen Soundtracks und wie man es von der Pokémon-Musik der Hauptspiele gewohnt ist, mit einer Vielzahl an verschiedenen Instrumenten, kraftvollen Bläsern und einem energiegeladenen Beat, der mich nicht nur bei der Arbeit, sondern auch beim Sport spielend leicht motiviert.

Guilty Gear -Strive-: Hardrock zum Headbangen

Die Guilty Gear-Reihe ist schon seit einigen Jahren bekannt, nicht nur famose Faustkämpfe, sondern auch eine Großoffensive auf euren Gehörgang zu bieten und das gilt auch für den aktuellen Ableger, das grandiose Guilty Gear -Strive-. Leider stehe ich mit Fighting-Games partout auf Kriegsfuß: Auch nach stundenlangen Sessions im Training-Modus verknoten mir Standard-Kombos wie Quarter Circle Back bereits die Finger und ich gebe frustriert auf, bevor ich mich ohne Plan und Erfolgsaussichten im Online-Modus blamiere.

Stattdessen schließe ich lieber mein Handy an meine Heimanlage an und lasse meine Nachbarn an den Hardrock-Hymnen teilhaben, die mir Komponist Daisuke Ishiwatari um die Ohren schmettert und mich direkt in einen metaphorischen, aber nicht weniger martialischen Moshpit werfen. Heiße Gitarrenriffs, schnelle Drums und sehr viel vokale Inbrunst sorgen für ein Album, bei dem der Kopf wie von selbst nach vorn und wieder zurück schwingt. Angefangen bei „Smell of the Game“ über „Play the Hero“ bis hin zu „Find Your One Way”: Guilty Gear -Strive- untermalt seine schweißtreibenden Schlagabtäusche mit rockigen Rhythmen, die ohne Probleme auch auf jedem Festival für Stimmung sorgen würden.

Wer es gerne etwas härter mag, wirft „Armor Clad Faith“ oder „Alone Infection“ an und lässt sich beherzt von Lead-Sänger Naoki Hashimoto anschreien. Für Abwechslung sorgt derweil „Disaster of Passion“: Der Song der ankerschwingenden Delfin-Versteherin May verbreitet eine gehörige Portion gute Laune, die die sonst so harten Bässe des restlichen Soundtracks angenehm auflockert. Und wer aus dem Soundtrack von Guilty Gear -Strive- ein lustiges Partyspiel machen will, der rät mit seinen Freunden um die Wette, was zur Hölle die Lyrics bedeuten sollen.

Lethal League Blaze: Zwischen heißen Beats und schnellen Bällen

Ein 2D-Prügler, in dem ihr euch nicht die Fäuste, sondern einen Baseball mit Schallgeschwindigkeit ins Gesicht pfeffert, und deren Charakter-Roster eine Boombox, ein Krokodil und einen Mann mit Pac-Man-Maske und Gehstock umfasst, gehört sicherlich zu den ungewöhnlicheren Vertretern des Genres. Aber weil ich, wie ich schon im Abschnitt zu Guilty Gear -Strive- erläutert habe, mich spielerisch eher recht als schlecht in Fighting Games zurecht finde, reicht auch der unkonventionellste Ansatz nicht, um mich für längere Zeit zu begeistern.

Das ist bei Lethal League Blaze vor allem deshalb schade, weil der Soundtrack mit seiner Mischung aus elektronischen Beats und Underground-Bässen sowie leichten Hip-Hop-Einflüssen das Schlachtfeld erst so richtig zum Glühen bringt. Der hektische Rhythmus hat sich mitsamt seinen unverständlichen Voice-Samples in meinen Kopf gegraben, um dort wie der in den Auseinandersetzungen eingesetzte Baseball hin- und herzuspringen, und nur dann eine Ruhepause einzulegen, wenn einer der entspannteren, aber nicht weniger funkigen Songs erklingt.

Der legendäre Komponist Hideki Naganuma, bekannt etwa durch den abgedrehten EDM-Sound aus dem Dreamcast-Juwel Jet Set Radio, hat mit „Ain’t Nothin‘ Like A Funky Beat” zwar nur einen Song zu Lethal League Blaze beigesteuert. Der gibt aber auch bereits direkt den Ton an und vermittelt ein gutes Gefühl dafür, was euch musikalisch in den Baseball-Battles – und in dem bald erscheinenden Bomb Rush Cyberfunk – so erwartet. Doch nun zu euch: Habt auch ihr Spiele, wo ihr den Soundtrack liebt, obwohl ihr mit dem Gameplay nichts anfangen könnt? Oder vielleicht genau andersrum? Schreibt uns eure Meinung doch gerne in die Kommentare.

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